Vitrinen mit Teddys, kunstvoll dekorierte Puppenstuben, Karussells und Kaufmannsläden, Puppen allüberall. Das Puppenhausmuseum: eine Ode an die heiss geliebten, stillen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner der Kinderzimmer. Was hat das jetzt mit behinderten Menschen zu tun? Auf den ersten Blick nichts; aber in diesem Museum gehörten und gehören sie immer ganz selbstverständlich dazu.
In einer Zeit, wo gesetzliche Vorgaben noch fehlten, wurde diese historische Liegenschaft hindernisfrei umgebaut. Das ganze Museum ist rollstuhlgängig, die behindertengerechte Toilette vorbildlich eingerichtet und auch das Café ist über eine Rampe zu erreichen: Für Rollstuhlfahrer, die sich in der Stadt verabreden, ist das Museumscafé ein beliebter Treffpunkt, natürlich auch wegen der hauseigenen Patisserie oder der frisch zubereiteten Trinkschokolade.
Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr ein digitales Hörsystem für hörbehinderte Besucher. So wird auch für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung das Puppenhausmuseum zu einem spannenden Ort, wo ihnen sämtliche Informationen uneingeschränkt zur Verfügung stehen.
Alles, was Menschen mit Behinderung vor einem Museumsbesuch wissen müssen, befindet sich detailliert und laufend aktualisiert - mit zwei Klicks erreichbar - an prominenter Stelle auf der Homepage.
Allerdings, Margarethe Steiff, der Erfinderin der Steiff-Tiere, hätten all die modernen Einrichtungen nichts genützt: Wir haben ihren monströsen Rollstuhl im vierten Stock des Puppenhausmuseums gesehen und wissen, dass sie damit gar nicht bis zum Lift gekommen wäre. Mit der Sonderausstellung über Margarete Steiff ist es dem Puppenhausmuseum gelungen, anschaulich das Leben einer behinderten Frau aus dem 19. Jahrhundert darzustellen. Als junges Mädchen an Kinderlähmung erkrankt - zu einer Zeit in der Behinderung Ausschluss und Diskriminierung bedeutete, hat sie sich von der einfachen Schneiderin zur erfolgreichen Fabrikantin hochgearbeitet. Ihr heiteres Wesen, grosser Erfindungsgeist und Organisationstalent, ein eiserner Wille, unermüdliche Arbeit, sowie Geschick im Umgang mit Menschen haben diesen beeindruckenden Lebenslauf ermöglicht. Nur nebenbei: Ihre um die Jahrhundertwende entstandenen, licht-durchfluteten Fabrikationshallen waren die erste vollständig rollstuhlgängige Industrie-Anlage der Welt.
Die Sonderausstellung über Margarethe Steiff trägt dazu bei, Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abzubauen und zeigt, dass das Leben dieser Menschen stärker von den Hindernissen im Alltag als von der eigentlichen Schädigung geprägt ist.
Für dieses vielfältige Engagement erhält das Puppenhausmuseum Basel den museumsstern 2009 und ein Preisgeld von CHF 20'000.-.
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