museumssterne | museen basel offen für behinderte

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Preisverleihung museumssterne***
am Mittwoch, 10. November 2010,
im Historischen Museum Basel, Barfüsserkirche


Rede des Projektleiters

Beat Ramseyer

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Morin
Sehr geehrter Herr von Roda
Sehr geehrte Preisträger
Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Mitglieder der Jury und der Projektgruppe

Bei dieser letzten Preisverleihung möchte ich kurz zurück schauen, Ihnen aber auch darlegen, wieso fünf Jahre museumssterne*** genug sind, und in Hoffnungen über die Zukunft sprechen.

Schon vor zehn Jahren - die Vernehmlassungsfrist zum neuen Behindertengleichstellungsgesetz war gerade abgelaufen - haben sich Martin Haug, Leiter der Fachstelle für Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung, und Corinne Eichenberger, damals Mitarbeiterin der Museumsdienste Basel, intensiv damit beschäftigt, wie die Attraktivität der Basler Museen für Menschen mit Behinderungen gesteigert werden könnte.

Ab 2001 führten sie verschiedene Arbeitstagungen mit und für die Museen im Raum Basel durch. Ziel dieser Treffen war es

  • Innovative Projekte und Ideen aus der Schweiz und aus Deutschland den Museumsfachleuten vorzustellen und das Bewusstsein für die Bedürfnisse behinderter und betagter Besucherinnen zu schärfen,
  • die Vernetzung zwischen den Museen und den Behindertenorganisationen zu intensivieren,
und
  • den Austausch unter den Museen zu Themen rund um die Besucherorientierung und rund um Besucher mit einer Behinderung zu fördern.

"Die Arbeitstagungen gaben uns", wie ein Teilnehmer sagte, "spannende Impulse. Sie vermittelten neue Kontakte zu Kolleg/innen aus anderen Museen und zu Behindertenorganisationen. Als Anregung für die Arbeit mit Behinderten im Museum war dies eine gute Diskussionsgruppe."

2004 fand die letzte dieser Tagungen statt. Die teilnehmenden Museen waren sich zwar darüber einig, dass das Thema "barrierefreies Museum" wichtig und aktuell war; konkrete Projekte entstanden trotzdem nur wenige...

Offenbar konnte doch zu wenig Energie aufgebaut werden. Die Motivation der Museen, sich vertieft mit den Bedürfnissen von behinderten und betagten Besuchern zu befassen und entsprechende Angebote bereit zu stellen, musste unbedingt gesteigert werden.

Nach gründlicher Vorarbeit fiel im Juni 2005 der Startschuss für den Wettbewerb "museumssterne*** - museen basel offen für Menschen mit einer Behinderung".

Im Flyer hiess es: "Museen, die die besonderen Bedürfnisse behinderter und betagter Menschen kreativ einbeziehen, erhalten museumssterne***. Die öffentliche Auszeichnung fördert das Image, und das Preisgeld hilft, die Kosten zu reduzieren. Ausgezeichnete Museen nehmen eine Vorbildfunktion ein."

Schon damals stand fest: "Das Projekt dauert 5 Jahre." Die Idee dahinter: Seit 2004 ist das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft. Die museumssterne*** sollen die Museen ermuntern, sich auf den gesetzlich vorgegebenen Weg der Barrierefreiheit zu begeben.

Ebenso wichtig wie ein möglicher Museumsstern und das damit verbundene Preisgeld war dabei die Beratung und Begleitung durch das Museumssterne-Team. Jetzt - nach fünf Jahren - sind wir sicher, dass die Museen diesen Weg aus eigenem Antrieb weiter gehen werden.

2006 fand die erste Preisverleihung statt. Bis und mit heute wurden 22 Wettbewerbseingaben von 15 Museen eingereicht. Mit der heutigen Preisverteilung werden 8 Projekte einen museumsstern*** und 3 Projekte einen Anerkennungspreis erhalten haben.

Sie sehen, von den nahezu 40 Museen in Basel haben lange nicht alle mitgemacht; von einigen haben wir nie etwas gehört, andere erwiesen sich als beratungsresistent; es gab gute und etwas weniger gute Jahrgänge... An der Attraktivität des Wettbewerbes kann es nicht gelegen haben: 36% der Eingaben erhielten einen Stern und nur jedes zweite Projekt ging ganz leer aus.

Motiviert haben uns die Museen, die Feuer gefangen hatten: Museen, die trotz kleinem Budget und knappem Personal dabei waren, zum Teil mehrmals oder - wie in einem Fall - jedes Jahr. Unsere wichtigsten und engagiertesten Ansprechpersonen waren und sind die Zuständigen für Bildung und Vermittlung - vor allem dann, wenn sie von der Museumsleitung unterstützt werden.

Im Naturhistorischen Museum Basel gibt es sogar einen wissenschaftlichen Mitarbeiter, der offiziell als Kontaktperson für Behindertenorganisationen amtet und in dieser Funktion seit Jahren Angebote für Menschen mit einer Behinderung schafft - das Naturhistorische Museum Basel ist in diesem Bereich besonders innovativ und vorbildlich.

Wie soll es weiter gehen?

Ob mit einem Museumsstern ausgezeichnet oder nicht: Bewusstsein und Engagement für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sind in den Basler Museen gewachsen. Verbesserungen sind jedoch nicht nur möglich sondern auch notwendig.

Gerne zitiere ich aus dem Handbuch "Das barrierefreie Museum", erschienen im [transcript]-Verlag. Dort heisst es: "Der Weg in eine Zukunft ohne Barrieren, in der sich behinderte und nicht behinderte Menschen partnerschaftlich begegnen, stellt hohe Ansprüche an alle. Sich gemeinsam auf diesen Weg zu begeben bedeutet aber auch, Teil einer Bewegung zu sein, deren Ziel es ist, möglichst alle Menschen an der Gesellschaft teilhaben zu lassen."

Auch nach dieser letzten Preisverleihung will die Projektgruppe museumssterne*** aktiv bleiben und, damit das Engagement für behinderte und betagte Besucher nicht im Alltagsgeschäft untergeht, Museumsmitarbeitende zum regelmässigen Erfahrungs- und Ideenaustausch einladen.

Zudem sind die museumsdienste basel und die Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung daran, die Idee der museumssterne*** auch in andere Teile der Schweiz zu exportieren - erste Kontakte sind, wie Sie im Anschluss hören werden, geknüpft.

Zum letzten Mal darf ich mich bei den Jury-Mitgliedern bedanken. Sie haben uns z.T. von Beginn weg die Treue gehalten und sind in verschiedenster Weise mit dem Wettbewerbsthema verbunden:

  • Eric Bertels ist als Leiter der Bauberatung der Pro Infirmis Basel Fachmann für hindernisfreies Bauen
  • Die "Sichtweise" von Sehbehinderten wurde von Pina Dolce, einer vollständig blinden Malerin, eingebracht.
und
  • auf die Anliegen der Gehörlosen wurden wir von Gerda Winteler, selbst gehörlos, sensibilisiert.

Ebenfalls von Anfang an dabei waren:
  • die freie Ausstellungsgestalterin Ursula Gillmann,
und
  • Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standort-Marketing Basel
  • Als Vorsitzender der Museumsdirektorenkonferenz unterstützte uns in diesem Jahr Dr. Burkard von Roda, Direktor Historisches Museum,
und
  • als Gastjurorin konnten wir Christine Ginsberg, Vorstandsmitglied des Vereins Zürcher Museen, gewinnen. Ihre Sicht von aussen tat unserer Jury-Arbeit gut.

Zur Jury gehören weiterhin die Mitglieder der Projektgruppe - es sei mir für einmal an dieser Stelle erlaubt
  • Martin Haug von der Fachstelle für Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung
und
  • Sandra Hughes von den Museumsdiensten Basel
ganz herzlich für die schöne und anregende Zusammenarbeit zu danken.

  • Als Projektleiter museumssterne*** habe ich die Zuständigen in den Museen beraten und die Jury-Sitzungen geleitet.

Auch wenn es keine Museumssterne mehr gibt: Ich möchte Sie dazu ermuntern, die Museen im Sinne eines attraktiven Begegnungsortes für behinderte und nicht behinderte Besucherinnen jeden Alters weiter zu entwickeln.

Danken möchten wir allen, welche das Projekt museumssterne*** ermöglicht haben. Dazu gehören

  • die Stiftung Horizonte
  • der Verein zmittsdrin
  • die Vereinigung Cerebral
  • das Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt
  • und auch Gönner, die nicht genannt sein wollen.

Nun freue ich mich, das Wort unserer Gastjurorin, Christine Ginsberg, vom Museum Rietberg Zürich und Vorstandsmitglied des Vereins Zürcher Museen, zu übergeben.

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