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Stiftung BRASILEA

"Cores do Silêncio" - "Farben der Stille"
Kunst für blinde und sehbehinderte Menschen


Ausstellungsdauer

13. März bis 24. April 2008

Öffnungszeiten
Mittwoch 14:00 bis 18:00 Uhr
Donnerstag 14:00 bis 20:00 Uhr
Freitag 14:00 bis 18:00 Uhr
oder nach Vereinbarung

Während den Öffnungszeiten stehen blinde- und sehbehinderte Personen als Führer und Ansprechpartner zur Verfügung.

Kurzbeschreibung der Ausstellung und Informationen zur Künstlerin

Können sie sich eine Kunstausstellung vorstellen, die mit geschlossenen Augen wahrgenommen werden kann und soll? Die brasilianische Künstlerin Cristina Portella kreierte die sensorische Kunstausstellung "Cores do Silêncio" - "Farben der Stille" für blinde und sehbehinderte Menschen, in der die traditionelle und häufig verwendete Anweisung "berühren verboten!" durch die unwiderstehliche Aufforderung "Bitte berühren!" ersetzt wird.

Cristina Portella ist eine einzigartige Künstlerin, die die Hoffnung als Lebenshelferin hat. Sie entwickelte eine neue Form, um die Kunst durch die Fingerspitze spürbar zu machen. Ihre Hoffnung hat einen defnierten Fokus - blinde und sehbehinderte Menschen - aber sie erreicht auch alle Menschen, die sich trauen, die Augen zu schliessen und ihr Fenster der Seele zu öffnen.

Wenn wir ihre Bilder berühren, entdecken wir Strukturen und Bewegungen, die uns auf einen einsamen unwirklichen Flug transportieren, milde und wunderbare Flüge, wie die Schmetterlinge, die sie kreiert hat. Mit ihrer Kreativität vertiefte sie eine optische Idee für die Menschen, die die zittrigen Flügel der zarten und zauberhaften Kreaturen spüren, aber ihre Farben nicht beschreiben können. Die Künstlerin entwarf einige Gegenstände, die geeignet sind, die zarte Struktur der Schmetterlinge und ihrer Umgebung zu spüren. Je mehr wir die Kunstwerke mit den Fingerspitzen berühren, um so mehr reisen wir in die Traumwelt der Künstlerin. Die Reisedauer hängt davon ab, wie die einzelne Person die Welt sieht: In Schwarz, in Weiss oder in Farbe! Deshalb begegnen Sie dieser Kunst bitte mit Respekt, Aufmerksamkeit und schliessen Sie dabei Ihre Augen! Beginnen Sie eine Reise, die so lange dauern sollte, wie sie es für gut empfinden. Diese Wahl ist sehr persönlich! Diejenigen, die die Einladung zu dieser ruhigen Kunst annehmen, werden mit der Aussage des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry sicher einverstanden sein: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Über die Künstlerin Cristina Portella

Cristina Portella wurde in Niteroi, Rio de Janeiro, geboren und lebt seit 20 Jahren in der Hauptstadt Brasiliens, Brasilia. Ihre Begegnung mit der Kunst war nicht zufällig, sondern eine Suche nach ihrer persönlichen Identität.

Nach Jahrzehnte langem Engagement als plastische Künstlerin, wurde sie sich über die soziale Rolle der Künstler in der Gesellschaft bewusst. Als Sie sich dazu entschloss, ihre künstlerische Arbeit für die blinden und sehbehinderten Menschen auszurichten, hat sie Grenzen durchbrochen und der Welt signalisiert, dass Kunst nicht nur durch das Sehen und die Funktion der Netzhaut, sondern vielmehr durch alle fünf Sinne erlebbar ist. Die Behinderung der Augen ist somit kein Hindernis, denn die Kunst ist ein Gefühl! Um sie zu verstehen, ist es notwendig die Werke mit den Augen der Seele zu betrachten.

Cristina Portella entwickelte die Ausstellung "Cores do Silêncio" - "Farben der Stille" im Amazonasgebiet und wurde durch den faszinierenden Migrationsflug der Schmetterlinge inspiriert. Von dort brachte sie Blätter, Steine, Aromen und Kerne mit, um daraus ein lernendes Szenario zu kreieren. Neben den farbigen Bildern in Mischtechnik und einer Bildgrösse von 30 x 40 cm zeigt die Ausstellung Installationen, die den Besuchern die Entwicklungsphasen dieser Lebewesen vom Entstehungsprozess bis hin zum Schmetterling vermitteln. Diese Welt des Ertastens, der Farbe, der Magie und der Träume wurde durch die Künstlerin detailliert erforscht und verarbeitet, damit der Ablauf nachempfunden und ins Innere transportiert werden kann. Zusätzliche Informationen über das Leben der Schmetterlinge werden in Blindenschrift und in Schwarzschrift / Schriftsprache angeboten.

Motivation, Zielgruppe und Zielsetzung

"Jeder Mensch hat das Recht, am kulturellen Leben der Gesellschaft teilzunehmen, Kunst zu geniessen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dem daraus entstehenden Nutzen teilzunehmen."
(Artikel 27 der allg. Erklärung der Menschenrechtskonventionen von 1948 - sinngemäss)

Das Projekt richtet sich an alle interessierten Besucherinnen und Besuchern, führt zu Begegnungen zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen und trägt somit Sorge zum besseren gegenseitigen Verständnis. Bei der Ausstellungsgestaltung war es uns ein grosses Anliegen, dass das Ausstellungsangebot von behinderten und betagten Menschen möglichst selbständig und ohne fremde Hilfe genutzt werden kann. Aus diesem Grund haben wir von Beginn an eine Zusammenarbeit zwischen der Stiftung, der Künstlerin und dem Schweizer Blinden- und Sehbehindertenverband angestrebt. Blinde und sehbehinderte Personen haben die Ausstellung und den Ausstellungsweg gestaltet und Ihre Erfahrungen und Bedürfnisse direkt ein?iessen lassen. Sie wissen natürlich oft besser, worauf es ankommt, und somit konnte der Enttäusschung und Frustration vorgebeugt werden, die sich bei Minderheiten ansonsten oft einstellt. Folgende Massnahmen wurden dabei stets im Fokus behalten:
  • Sehbehinderten-gerecht hilft allen! Neben den Texten in Braille-Schrift sind auch die Drucksachen in Schwarzschrift / Schriftsprache gut lesbar gestaltet.
  • Die Anzahl der gezeigten Ausstellungsexponate darf nicht zu gross, Führungen sollten nicht zu lang sein. Grund: Beim Abtasten, Fühlen, Hören müssen alle das Wahrgenommene verarbeiten können. Zu viele Eindrücke beeinträchtigen die Aufnahmefähigkeit.
  • Die Ausstellungsexponate sprechen alle Sinne an: Tasten, Riechen, Hören und Sehen.
    Optimale Lichtverhältnisse ohne Blendung sowie gute Kontraste sind für sehbehinderte Menschen eine wichtige Voraussetzung, um Kunst überhaupt wahrzunehmen.
  • Alle Führungen, sowohl für Sehbehinderte als auch für Sehende wurden durch sehbehinderte Person durchgeführt. Durch die Benutzung einer Schlafbrille konnten sich auch Sehende von ihren Sinnen führen und leiten lassen, um die Exponate dann im Anschluss mit "ganz anderen Augen" betrachten zu können.
  • Die Besuchergruppe muss klein oder unterteilt sein; sehbehinderte BesucherInnen benötigen viel mehr Zeit als sehende Menschen.
  • Pausen, Bewegungs- und Sitzmöglichkeiten sowie ein Erfahrungsaustausch mit den Blindenführern wurden stets eingeplant.

Veranstaltungen

Die Veranstaltungen mit den folgenden Gruppen wurden ausserhalb der regulären Öffnungszeiten organisiert, damit die Besucher und die Blindenführer möglichst ungestört und reibungslos die Ausstellung erfahren konnten.
  • Eingliederungsstätte Baselland ESB
  • Kindergartenklassen mit anschliessendem Malunterricht
  • verschiedene Schulklassen, von der 1. Klasse bis zur Matura
  • Abendveranstaltung am 23.04.2008 der Konzertreihe "les muséiques" mit Führung in der Konzertpause.

Öffentlichkeitsarbeit

Anschreiben & Einladungen an:
  • Adressen der Stiftung Brasilea
  • Adressen des Schweizer Blinden- und Sehbehindertenverband SBV (Behindertengruppen, Wohnheime, Optik-Geschäfte, Blinde und Sehbehinderte, Institutionen, etc.)
  • Adressen der brasilianischen Botschaft in Bern

Auslage der Einladungen bei verschiedenen Institutionen wie:

  • Brasilianischen Botschaft in Bern
  • Schweizer Blinden- und Sehbehindertenverband SBV - ganze Schweiz
  • Baseltourismus
  • Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde
  • Restaurant Blindekuh

Presse - Veröffentlichungen

  • Heft des Schweizer Blinden - und Sehbehindertenverband SBV, Jahrgang März 2008
  • BAZ, 13.03.2008
  • Basellandschaftliche Zeitung, 14.03.2008
  • teleBasel - 7vor7, 19.03.2008
  • Radio X, 02.04.2008
  • DRS 1
  • swissinfo.ch, 02.04.2008

Kosten

Die Exponate sind Bestandteil der Ausstellung und stehen nicht zum Verkauf, somit gab es neben
den Eintrittsgeldern keinerlei zusätzliche Einnahmequellen.

Kontaktpersonen

  • Onorio Mansutti Präsident, Stiftung Brasilea
  • Daniel Faust Geschäftsführer, Stiftung Brasilea

Information zu Partnern und beteiligten Organisationen

  • Brasilianische Botschaft
    Monbijoustrasse 68, 3007 Bern
    Botschafter Eduardo dos Santos
    Minister José Vicente Lessa
    > finanzielle Unterstützung
    > Vermittlung der Künstlerin Cristina Portella
  • Restaurant "blindekuh"
    Dornacherstrasse 192, 4053 Basel
    Sonja Hohgraefe
    > Unterstützung beim Catering für die Vernissage

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